Fettes Brot: Von „Nordish By Nature“ bis „Von der Liebe“

1992 auf dem Schulhof zusammen gefunden, sorgen Fettes Brot seit frühesten Tagen für Hits in der Deutschrap-Szene. Die erste EP „Mitschnacker“ 1994 noch über das Label „Yo Mama“ veröffentlicht, folgte bereits zwei Jahre später der große Durchbruch mit der Platte „Nordisch By Nature“. „Neunzehnsechsundneunzig“ schaffen sie es mit „Jein“ ganze 37 Wochen in den deutschen Top10 zu bestehen. Spätestens ab hier war klar: An diese drei Jungs sollte man sich schon mal gewöhnen. Seither sorgen die „Marxistenkinder“ regelmäßig für Hit-Nachschub direkt aus Hamburg. Zur Feier des heutigen Releases der Live-DVD „Gebäck in the Days“ lassen wir die vergangenen 25 Jahre nochmal Revue passieren und zeigen Euch mit den wichtigsten Veröffentlichungen, was Fettes Brot bis heute geleistet haben.

1995: Nordish By Nature“
„Een, twej, een twei drej, sech mal, „Hey“, sech mal, „Hoo“.“  Jaja, wenn man nicht aus dem Norden kommt, sind die einzelnen Lines schwer zu verstehen. Eins kommt aber definitiv rüber – eine geballte Ladung Hip-Hop. Das Video zum Track beinhaltet so ziemlich alle Stereotypen der Rapszene und macht es nicht zuletzt deshalb absolut sehenswert. Damals noch mit Der Tobi & Das Bo  und Gaze Matratze wurde uns ein Posse-Track vom Feinsten geliefert. 

1996: „Jein
Seit der Veröffentlichung können wohl tausende Fans den Song von Anfang bis Ende mitrappen. Ein Track, der mit den Jahren eine Art Kultstatus erreicht hat und auf keiner Deutschrap-Party fehlen darf. 
 

2001: „Schwule Mädchen
Nach „Auf einem Auge Blöd“,  „Außen Top Hits, innen Geschmack“ und „Fettes Brot lässt grüßen“, veröffentlichten die drei Brote 2001 das „Demotape“, auf dem unter anderem Bretter wie „Schwule Mädchen“ zu finden sind. Anders als gewohnt klingt die Gruppe in den Zweitausendern angekommen auf dieser Single aggressiver und unzensierter als sonst. Die Fans scheint es nicht zu stören, im Gegenteil. Sobald es heißt „Sondereinheit – Kampfeinsatz“ ist der Ohrwurm wieder am Start.

2001: „The Grosser“
Wer Bock hat, durch ein Video direkt in das Jahr 2001 zu reisen, sollte sich „The Grosser“ der Jungs zu Gemüte führen. Der einzig coole Autoscooter-Hänger ist und bleibt bis heute König Boris.


 

2005: „An Tagen wie diesen
Moin, moin. Was geht? Alles klar bei dir? Wie spät?“. Eine Single, die so harmlos beginnt, aber kurz darauf auf direkteste Art und Weise vorführt, was schief läuft. Auch zwölf Jahre nach offiziellem Release treffender als so mancher Track von gestern. Damit beweisen König Boris, Dokter Renz und Björn Beton erneut, dass sie nicht für kurzweilige Tracks arbeiten – sie erschaffen in regelmäßigen Abständen Klassiker.

„Doch warum kann mich mittlerweile nicht mal das mehr erschrecken
Wenn irgendwo Menschen an dreckigem Wasser verrecken?
Dieses dumpfe Gefühl, diese Leere im Kopf
So was kann uns nie passieren, und was wäre wenn doch?
Und mich zerreißen die Fragen, ich kann den Scheiß nicht ertragen
Die haben da nichts mehr zu fressen und ich hab Steine im Magen!“

 

2008: „Bettina, zieh dir bitte etwas an
Ok wow, die haben „Brüste“ gesagt. Zu Releasezeiten fast schon gewagt. Bettina scheint ihre Brüste bis heute nicht eingepackt zu haben. Vielleicht der Grund, weshalb die auf „Strom und Drang“ erschienene Single bis heute regelmäßig mitgegrölt wird. 

2008: „Ich lass dich nicht los
Dass Fettes Brot auch fernab von spaßigen Hooks und lustigen Wortspielen musizieren können, haben sie bereits mit Tracks wie „Ich bin müde“ oder „An Tagen wie diesen“ bewiesen. Auf „Ich lass dich nicht los“ treffen sie erneut die richtigen Worte und sorgen mit Video und Song für Gänsehaut-Momente bei den Fans. Vergleicht man die Szenen mit den bisherigen Musikvideos, kann man kaum glauben, dass es sich hier um ein und dieselbe Band handelt. 
 

2008: „Erdbeben
Immer noch das selbe Jahr, immer noch das selbe Album. Nachdem das eigentliche „Erdbeben“ längst ausgelöst wurde, landeten die Hamburger Jungs mit dem Track die erfolgreichste Single nach „Bettina, zieh dir bitte etwas an“ auf „Strom und Drang“. Neun Wochen hielt sich das Ding in den Charts. Hier finden wir die drei wieder gewohnt laut und positiv vor. Der Song läuft auch heute noch von den schicksten Villenvierteln bis in die Sozialbausiedlung.

2013: „Echo
Nach einer vierjährigen Pause melden sich die von Natur aus Nordischen zurück. Das Musikvideo zu „Echo“ ist wohl bislang die aufwendigste Videosauskopplung der dreien. In Zusammenarbeit mit Jakob Grunert und Marten Persiel entstand ein kleines Meisterwerk, in dem wir die Fettes Brot-Members in jeweils ungewohntem Aufzug zu sehen bekommen. 

2015: „Von der Liebe
Was, die gibts noch?“ beantworten Fettes Brot vor zwei Jahren mit „Von der Liebe“ ganz klar mit „Ja“. Auf ihrem mittlerweile achten Album erschienen, liefert der Track das wohl sozialkritischste und nachdenklichste Stück der aktuellen Platte. Ob die neuen Sachen an alte anknüpfen können, bleibt Geschmacksache.

Eine Band, die über zwei Jahrzehnte lang besteht und in dieser Zeit für so viele Hits gesorgt hat, wie kaum jemand anders in Deutschland, sollte man verzeihen, dass es auch mal kleine Ausreiser gibt, die man als Fan vielleicht nicht ganz nachvollziehen kann. Seit Tag Eins fester Bestandteil der deutschen Rapszene, haben sie Türen geöffnet und Pionier-Arbeit geleistet. Wer nach so viel Schwelgen in alten Tagen Lust auf aktuelle Bilder und Sounds von König Boris, Dokter Renz und Björn Beton hat, schaut sich am besten die „Gebäck in the Days“-DVD an. 

Hier bekommt ihr die DVD.

Vom Soziologen*innen-Debattiertisch in Tübingen direkt in die BACKSPIN-Redaktion in Hamburg.

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