Deutschrap x Pop – Hit oder Debakel?

Vorab sollte klargestellt werden, dass prinzipiell jeder Künstler machen sollte, worauf er Bock hat. Und wenn das bedeutet, es entsteht ein weiterer Adel Tawil „trifft auf Rap-Track“, dann sind die beiden Künstler letzten Endes nur sich selbst Rechenschaft schuldig. Wenn das aber auch bedeutet, dass erneut nichts gehaltvolles dabei rumkommt, muss man mit der Kritik leben können.

Pop-Features im Rapgame sind nicht erst seit Weltrettern á la Tim Bendzko ein weitverbreiteter Trend. Songs wie „Die besten Tage sind gezählt“ von Kool Savas und Lumidee zählen seit Jahren als Klassiker. Mit „Nein!“ sorgen Sido und Doreen auch lange nach der Veröffentlichung noch für einen Ohrwurm. Trotzdem scheint es, als würden Features zwischen den Genres inzwischen viel zu häufig aus kommerziellen und weniger aus künstlerischen Gründen entstehen. Jüngst sorgte Prinz Pi mit seinem Mark Forster Track „Das Original“ auf dem neuen Album für gespaltene Meinungen. 

Auffällig ist, dass Rapper in Kombination mit deutschen PopsängerInnen auf der Fan-Seite der Popkünstler scheinbar häufiger auf Anklang finden, als auf der Hip-Hop Seite. Jemand, der das letzte Andreas Bourani Release gefeiert hat, freut sich sicherlich auch über einen etwas anderen Song mit Sido. Jemand, der aber vor allem die Aggro-Berlin Sachen pumpt, kann auf eine 0815-Hook gefüllt mit einfachen Phrasen getrost verzichten. Zwar verlieren die jeweiligen Rapper in den Songs nicht zwangsweise ihre Skills, es kostet sie aber immer wieder Unmengen an Glaubwürdigkeit.

Jetzt könnte man natürlich auch damit argumentieren, dass die deutsche Popwelt insgesamt einfach nicht mehr das liefert, was sie vor Jahren vielleicht noch hervorgebracht hat. Ein Blick in die Singlecharts verrät aber, dass bereits 2005 bis 2010 Leute wie Ich & Ich, Christina Stümer oder Revolverheld die handelsüblichen Deutschpop-Themen runtergerattert haben. Nur kam damals scheinbar niemand aus der Rapszene auf die Idee, diese Leute auf die eigene Platte zu bitten.

Auf der nächsten Seite findet ihr die Anfänge der Deutschrap trifft Pop-Features. 

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Vom Soziologen*innen-Debattiertisch in Tübingen direkt in die BACKSPIN-Redaktion in Hamburg.

1 Comment

  1. lorenz caspari

    14. November 2017 at 18:28

    https://www.youtube.com/watch?v=9th72A15g6s mal wieder samy vergessen….

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