Mario „Dako“ Dacosta – Out For Fame

INFOBOX: Einen Teil seiner Jugend lebte Mario da Costa in Paris, wo sein Vater Angola als Botschafter repräsentierte. Dort kam er über einen Cousin, der ihn 1991 zu einem Ice-Cube-Konzert mitnahm, zum Rap. Bald begann er selber zu rappen, was 1999 in der Veröffentlichung der EP „Voila la Diaspora“ seiner Crew Diaspora mündete. Die EP erschien im Eigenvertrieb, die Releaseparty war selbstorganisiert. Um sich Auftrittsmöglichkeiten zu verschaffen, organisierte Dako mit seinen Kollegen verschiedene Konzerte und Jams. Seit 1998 betreibt er mit Carlos Wind und Steffen Peter die Agentur Out4Fame, die z.B. die „Jam Session“, „1on1 Freestyle Battle“ oder „Feuer über Deutschland“ auf die Beine stellte. Dazu veranstaltet Out-4Fame diverse Touren namhafter deutscher und amerikanischer Acts sowie aktuell die „Urban Legends“-Reihe.

20.00 Backstage im Klubsen in Hamburg. Gerade hat Dako den Soundcheck für Bobby V gemacht. Das gehört zwar nicht zu seinen Aufgaben, aber wenn es nicht anders geht, erledigt er auch das. Eigentlich hat er auch gar keine Zeit, ein Interview zu geben. Wir müssen uns also auf ein paar Unterbrechungen gefasst machen. Denn irgendwer will immer irgendetwas von dem iMann, der sich seit Mitte der 90er in dem Wahnsinn des Veranstalterdaseins bewegt. Ein Gespräch über Herzensangele- genheiten, „Urban Legends“ und Festivals.

Dako, wie ging es eigentlich los mit deinem Dasein als Veranstalter und Organisator?
Eines Tages rief mich ein Kollege an und fragte, ob ich ein Konzert für Group Home veranstalten möchte und ich sagte zu. Zwei Monate vor Tourbeginn erreichte mich aber die Nachricht, dass die Tour abgesagt werden müsste, weil zwei, drei Dates nicht stattfinden konnten. Also telefonierte ich ein wenig herum und konnte so am Ende aus den zwei Dates fünf machen. Außerdem bin ich als Tourbegleiter mitgefahren. Das war meine erste Tour. 1998.

Das klingt ja eher nach einer Notgeburt…
Nichts, was ich jetzt mache, ist aus einer Planung heraus entstanden, sondern viel mehr aus der Not heraus. Nichts davon habe ich gelernt oder sonst wie vorher professionell gemacht. Und natürlich machte auch ich anfangs die üblichen Fehler zum Beispiel beim Kalkulieren.

Hat dich einer dieser Fehler auch schon mal an den Rand einer Pleite geführt?
Was ich dazu sagen muss: Ich hatte für den Start eine optimale Zeit erwischt. Es kamen noch viele Leute zu Jams und Konzerten. Man hatte also eine gewisse Basis. Zudem studierte ich nebenbei und machte die Sache ohnehin mehr fürs Herz als fürs Geld. Demnach konnte ich auch nicht davon leben. Aber einer musste das für die Community ja machen. Und da es sonst keiner tat, war ich eben derjenige.

Einige der von dir veranstalteten Konzerte waren damals mit vielen Vorgruppen vollgepackt. Konntest du nicht Nein sagen?
Das ist wahr, teilweise hatte ich für einen Abend sechs Vorgruppen, weswegen die Leute auch zu meckern anfingen. Deshalb starteten wir Wettbewerbe, um zu selektieren, wer als Vorgruppe mit auftreten durfte. So entstand letztlich auch die „Jam Session“. Die ersten fanden um 2002 in Bonn und Stuttgart statt. Teilgenommen hatten Leute wie Nordkurve (Pillath, Mr. Knight etc.), Maeckes, Tua oder Bassquiat.

Haben sich von diesen Acts, die du damals auf den „Jam Sessions“ hattest, viele bis heute halten können?
Ich bin ziemlich stolz, wen ich alles sehen durfe. Eigentlich habe ich viele, die heute einen großen Namen haben, schon früh sehen dürfen. Abdi zum Beispiel hatte seinen ersten Auftritt bei einem „Jam Session“-Freestyle-Battle. Ich habe damals direkt gemerkt, dass er anders ist und heute feiern ihn viele. Ansonten waren da noch die Orsons, Marteria, Sprachtot… Auch Morlockk Dilemma hatte einen seiner ersten Auftritte bei einer „Jam Session“, später engagierte ich ihn auch als Support. Fard, Gregpipe, Liquit Walker hatten hingegen bei den „1on1 Freestyle Battles“ oder „Feuer über Deutschland“ einen ihrer ersten Auftritte.

Parallel zur „Jam Session“ gab es die „1on1- Freestyle-Battles“. Gingen die auch auf dein Konto?
Nein, die organisierte anfangs noch Catcher, der ist übrigens der Gründer von Out4Fame. Ich weiß allerdings nicht mehr, was zuerst da war. Von Zeit zu Zeit fanden die beiden Veranstaltungen ja auch zusammen statt, bis wir uns eines Tages entschieden, es komplett zusammenzulegen.

Die „Jam Session“ fand zeitweise bis zu 40 Mal in einem Jahr statt. Wie schafft man es, so viele Termine quer durch Deutschland auf die Beine zu stellen?

(Lacht) Das war wirklich mehr Liebe als Verstand. Aber die „Jam Session“ war kostendeckend und lebte von den Leuten vor Ort, die den Gedanken der Jam mittrugen. In Frankfurt oder Wiesbaden waren teilweise wirklich viele krasse Leute an einem Abend, zum Beispiel 34ers, Randgruppe, Mädness oder Sprachtot und du musstest unter all den Talenten einen Gewinner aussuchen.

Wie viele Bewerbungen von Acts hast du für die „Jam Session“ im Schnitt auf den Tisch bekommen?
Einmal hatten wir in einem Jahr insgesamt 880 Bewerbungen, das war aber auch das meiste.

In diesem Moment bekommt Dako eine SMS und unterbricht das Interview kurz. Er zückt sein Black Berry und tippt eine Antwort. Schließlich steht noch ein Konzert an…

Um diese Unterbrechung als kleinen Aufhänger zu nutzen: Dein Business findet wirklich von 16.00 bis um 4.00 Uhr morgens statt?
Nein. Mein Business startet gegen zehn Uhr, dann stehe ich auf, mache mich fertig und erledige die letzten Promo-Sachen. Um 12 Uhr frühstücke ich, rufe die Jungs an, weil sie verpennt haben und dann zieht sich das alles gerne mal bis 6.00 Uhr hin. Und am nächsten Tag heißt es wieder um zehn Uhr aufstehen. Übers Jahr gesehen sind das dann etwa 20 bis 30 Wochen, in denen das so läuft.

Dann hast du sicherlich auch schon eine Menge Hotelzimmer gesehen.
In Hamburg kenne ich mittlerweile alle guten Hotels (lacht). Früher, zu „Jam Session“-Zeiten, kannte ich dafür alle Herbergen (lacht).

Wie wichtig ist für deine Arbeit das Netzwerk, das du dir über die Jahre aufgebaut hast und wie ist es um deine Konkurrenz bestellt?
Das Netzwerk ist sehr wichtig, es lebt alles immer noch davon. Zur Konkurrenzfrage. Neben uns gibt es noch Streetlife Entertainment und Heavy Rotation und dann gibt es noch Subotage und Hot Wheels, die eher die andere Seite bedienen. Out4Fame steht genau in der Mitte, wir können heute Game bringen und morgen Souls Of Mischief, was für die anderen gar nicht in Frage kommt. Wir machen einfach das, was für uns Hip-Hop ist.

Was in jedem Fall bis heute nachwirkt, sind die „Feuer über Deutschland“-Veranstaltungen…
Das war aber eigentlich nicht ich, sondern Catcher. Catcher hat das quasi ins Leben gerufen, ich hatte mehr eine beratende Rolle. Aber Teil zwei und drei habe ich auf jeden Fall komplett durchproduziert.

Dennoch: Worum ging es auch speziell bei die- sen Veranstaltungen? Was war der Antrieb?
Im Endeffekt ging es um die Skills. Deutscher Rap kommt meiner Meinung nach auch deshalb nur sehr schwer voran, weil den meisten Rappern dieser Instinkt fehlt. Es wird zu viel überlegt, bis sich etwas tut. Kennst du diese Instinkt-Boxer wie Tyson, die einfach mit ihrer Kraft alles und jeden verprügelt haben? Heutzutage gibt es eher diese Klitschkos, die zwar auch ei- nen Knockout schlagen könnten, aber zu lange überlegen. So in etwa ist es im deutschen Rap. Wenn du Skills hast, warum hast du Angst, sie zu zeigen? Für mich fehlt im deutschen Rap ein- fach der Instinkt.

Der eine oder andere hat sich bei „Feuer über Deutschland“ ja auch krass blamiert…
Ja, aber das zeigt dann eben, dass derjenige halt nicht über die notwendigen Battle Skills verfügte. Wenn man beim Battle verkackt, ist man eben kein Battle-MC. Man ist eventuell lyrisch perfekt, aber dann sollte man nicht zu „Feuer über Deutschland“ gehen.

Die DVDs zu den Battles waren ebenfalls sehr erfolgreich, oder?
Ja, ich meine „Feuer über Deutschland“ wäre sogar erfolgreicher als „Rap City Berlin“…

Genau wie die „Jam Session“ gibt es auch „Feuer über Deutschland“ nicht mehr. Warum eigentlich?
Bei der dritten Staffel haben wir ja gesagt, dass die Trilogie nun abgeschlossen sei. Und für die „Jam Session“ hatten wir leider keine Zeit mehr zur Verfügung, um es würdig realisieren zu können. Die Veranstalter rufen noch immer an und fragen nach. Wir könnten bestimmt um die 20 Termine im Jahr machen. Und mal angenom-men, es käme einer, der das alles auf die Beine stellen wollte – ich wäre sofort dabei, alleine schon, um den nächsten Eminem nicht zu verpassen (lacht).

Was muss denn jemand mitbringen, der heute die „Jam Session“ fortführen wollte?
Man darf auf jeden Fall nicht mit großem finanziellen Erfolg rechnen. Ich verstehe das auch nicht, in Deutschland ist Rap zwar eine große Jugendkultur, aber es ist trotzdem für die Sponsoren nicht interessant, Rap-spezifische Events zu unterstützen.

Siehst du da ein grundsätzliches Imageproblem?
Probleme kann man auch immer suchen. Ich meine, Casper oder die Orsons sind auch Rap – und trotzdem erfolgreich. Während der ganzen „Jam Sessions“ gab es vielleicht ein, zweimal Streit. Und es waren immer alle verschiedenen Richtungen vertreten, seien es jetzt Studenten- oder Gangster-Rapper. Für uns war es immer nur wichtig, dass die ihr Ding machen und dabei gut sind.

Um nochmal auf das Image-Problem zurückzukommen. Out4Fame machte bis 2011 auch die Rap-Bühne auf dem Rheinkultur-Festival. Wird es auch 2012 eine geben?
Ich glaube schon, denn ich bin nicht der Ansicht, dass die Sache vor Ort ein Hip-Hop-Problem war. Von Seiten der Festival-Leitung wurde ebenfalls nicht mit dem Finger auf uns gezeigt. Hip-Hop sollte da so gezeigt werden, wie er ist. Ich mag es nicht, sich für eine Sparte zu entscheiden. Wir möchten eine bunte Mischung. Wir wollen den Kids, die für F.R. kommen, auch die Möglichkeit bieten, Aphroe zu sehen. Es hätte meiner Meinung nach auch dieses Jahr funktioniert, nur sind da leider einige unglückliche Dinge passiert. Man hat einfach nicht mit diesem Ansturm gerechnet.

Die nächste Unterbrechung: Dako wird wegen Karten und Bändern für das Konzert am Abend gefragt. Allerdings sind die benötigten Karten im Hotel…

Was ihr ebenfalls an den Start gebracht habt, ist die „Urban Legends“-Reihe, für die ihr diverse US-Acts nach Deutschland holt. Ist das der nächste Schritt für dein Business?
Da haben wir schon einen Gang höher geschaltet. Wir hätten im Prinzip ja auch nur ein Konzert veranstalten können. Aber dann habe ich irgendwann zu Steffen gesagt, lass uns eine Reihe daraus machen. Ich hatte zuerst den Namen „Legends“ vorgeschlagen. Steffen meinte aber, „Legends“ alleine klänge irgendwie unin- spiriert, weshalb wir uns noch auf das „Urban“ als Zusatz einigten. In der Zeit connecteten wir auch das erste Mal mit Yavido für die Rheinkultur. Denen schickte ich dann das Konzept mit dem Vorschlag, das jeden Monat zu veranstalten. Ich glaube, deren Mitarbeit hat das Ganze dann auch zu etwas größerem gemacht. Wobei wir ja auch vorher schon das Konzert mit Ice Cube hatten.

Aber es ist doch schon etwas anderes, ein Ice- Cube-Konzert zu veranstalten oder vier große „Urban Legends“-Konzerte.
Ja, aber mit Ice Cube hat alles angefangen. Das Konzert lief super, auch der Manager war sehr zufrieden. Cube meinte sogar, wenn er wieder nach Deutschland käme, würde er sich melden, was er am Ende auch tat. Er fragte, was wir ihm anbieten könnten. Daraufhin boten wir ihm an, nicht nur in Deutschland etwas für ihn zu tun. Daraus entstand schließlich eine Connection zu seiner Agentur, mit der wir nun zusammen arbeiten.

Die nächste Unterbrechung: Die Gästelistenplätze für den Typ mit den Karten müssen geklärt werden. Außerdem wird geklärt, ob es später vegetarische Pizzen für die Ladys geben kann (5 Stück)

Mit der „Urband Legends“-Reihe kam der Stein also ins Rollen. Es folgten Touren etwa mit M.O.P. und kurz darauf mit Game. Jemanden wie den zu veranstalten, befördert einen sicherlich auch finanziell schnell in schwindelerregende Höhen, oder?

Ja. Mit Dingen wie „Feuer über Deutschland“ haben wir gutes Geld verdient und konnten etwas aufbauen. Also sagten wir uns, dass wir mit diesen Konzerten in etwas Neues investieren wollten. Und natürlich gab es dann auch Probleme. Mit Mos Def zum Beispiel hatten wir ein exklusives, ausverkauftes Konzert. Das war zu der Zeit mit der Aschewolke von diesem Vulkan. Eigentlich wollte er fliegen. Das ging dann aber nicht und er hätte stattdessen fahren müssen. Daraufhin meinte Mos Def, er wäre zu erschöpft, um zu fahren. Mit dem Konzert hätten wir ca 30.000 Plus erwirtschaften können, am Ende aber machten wir 15.000 Verlust. Die Gage für Mos Def bekamen wir zwar zurück, aber die Ausgaben für die Promotion etc. zahlt dir keiner zurück. Mit Common hatten wir dieses Jahr sechs, sieben Tourstopps geplant. Bis heute hat da nichts stattgefunden, die Kohle ist aber immer noch da. Da reden wir über sechsstellige Beträge.

Wie kann man Verluste wie den durch das geplatzte Mos-Def-Konzert kompensieren?
Zum Glück haben wir noch die Abteilung Booking. Wir haben dann drei Monate nur Bookings und keine Konzerte gemacht, bis die Kohle für Konzerte wieder drin war. Ich denke, dass wir alles machen, zeichnet Out4Fame auch aus.

Wie wichtig sind für euch Kontakte in die USA?
Sehr wichtig. Um dir ein Beispiel zu nennen: Wir hatten Raekwon für das „Jam Session“-Finale gebucht. Seine Booking-Agentur aber bekam dann für einen anderen Gig am selben Tag eine höhere Gage angeboten. Also riefen sie uns an und meinten, Raekwon könne doch nicht kommen – obwohl sie unser Geld schon hatten. Ich habe dann ein paar Bekannte in den USA angerufen, die schließlich den Kontakt zu Raekwons Bruder herstellten. Dem schilderte ich die Situation und Raekwon kam doch zu uns. Danach blieb ich mit ihm in Kontakt, was mir wiederum viele weitere Kontakte eingebracht hat.

Ist das Business in den USA anders? Der Ku- chen ist dort ja ein wenig größer und daher eventuell auch schwieriger.

Ja, aber wenn die uns einmal hängen lassen, können sie am Ende gar nicht mehr nach Deutschland kommen.

Wenn man sich eure Arbeit anschaut, bekommt man den Eindruck, dass sich die Künstler bei euch sehr gut aufgehoben fühlen. Ist das ein Teil eures Geheimnisses, dass immer eine gewisse Verbindung zu den Kunden besteht?
Ja. Es ist einfach ein Unterschied, wenn ein Künstler bei einer großen Agentur ist bei der niemand seine Musik überhaupt gehört hat oder ob er bei einer Agentur ist, wo die Mitarbeiter die Musik des Künstlers zu schätzen wissen. Teilweise hat das schon etwas von Freundschaft, dass Ice Cube anruft, nur um mitzuteilen, dass er wieder gut in Amerika gelandet ist. Die Künstler vertrauen einem eher, wenn sie sehen, dass auch wir Hip-Hop leben. Teilweise mache ich für den Artists sogar den Soundcheck, das habe ich über die Jahre auch gelernt.

Gerne wird hinter vorgehaltener Hand darüber geredet, was für absurde Forderungen einige Künstler an ihre Veranstalter stellen. Gibt es einige Forderungen, von denen du hier berichten kannst?
Redman hatte für jeden Tag ein Paar neue Airforce One. Wirklich verrückte Sachen fordert aber eigentlich niemand. Selbst ein Typ wie Ice Cube, wo ich dachte, er hätte Star-Allüren, ist einer der lockersten Typen, die ich getroffen habe.

Was muss man außerdem für die Künstler in petto haben: veganische Spezialitäten, den besten Grasdealer und den besten Puff?
Veganische Pizzen bei Dead Prez zum Beispiel, besondere Whiskey-Sorten, Gras-Connections aber keine Puffs. Bei den R&B-Künstlern ist das übrigens weniger ausgeprägt als bei Rappern. Nach einer Zeit bekommt man raus, was die einzelnen Künstler brauchen. Ich persönlich habe dafür aber auch nicht so den Kopf. Das ist eher Carlos’ Bereich, der kümmert sich bei den Veranstaltungen um die Leute.

Denkt ihr schon an eure nächsten Schritte? Wie könnten die aussehen? Sind größere Konzerte, etwa mit 5000 statt 1000 Besuchern denkbar?
Sicherlich ist es gesund, an so einen nächsten Schritt zu denken. Wir haben uns auch schon Gedankengemacht. Unser ganz großer Traum ist es, unser eigenes Festival zu veranstalten. Ein Festival, das unsere Leidenschaft verkörpert. Ich möchte, dass Hip-Hop dort so gezeigt wird, wie er in Deutschland ist – mit jedem, der dazu- gehört. Ich denke, die ganzen Trennungen, die stattfinden, verhindern einen Fortschritt in der Szene. Das splash! zum Beispiel hat für mich den falschen Schritt gemacht.

Welchen?
Die grenzen ja bestimmte Künstler aus. Ich denke aber, dass es besser ist, man erzieht die Leute und zeigt ihnen, wie Hip-Hop ist. Wo ist denn
das Problem, wenn man freitags Bushido zeigt und samstags Mos Def? Du kannst auf einem Festival einfach nicht die erfolgreichsten Künstler aus deinem Land ignorieren.

Wie weit seid ihr mit euren Planspielen für ein eigenes Festival?
Uns fehlt bisher noch die richtige Location. Wir möchten etwas in unserer Umgebung und nicht zu nah am splash! machen, damit genug Platz für alle da ist. Wenn wir was Passendes gefunden haben, wollen wir das durchziehen.

Du meinst also, es ist noch Platz für ein weiteres Festival?
Definitiv. Es kann auch nicht sein, dass in der Schweiz ein Hip-Hop-Festival 60.000 Besucher hat und in Deutschland gerade mal 10.000 kommen, obwohl Deutschland viel größer ist.

Da wird ja gerne angeführt, dass die Schweizer Organisatoren mehr Geld zur Verfügung haben und es deshalb größer aufziehen können…
Ja, aber Jay-Z spielte auch schon auf dem splash! und dennoch waren keine 30.000 Leute da.

Themawechsel: Du arbeitest auch für Fard. Welche Rolle spielt er in eurem Konstrukt?
Mit Fard bin ich befreundet, es ist keine rein geschäftliche Verbindung. Fard hat mich auf der Bühne auf der Rheinkultur gesehen. Dort haben wir uns kennengelernt und von da an hat sich alles entwickelt. Fard ist einfach sehr talentiert und smart und das macht die Arbeit, ihn zu managen, sehr angenehm. Letztens fragte mich einer, ob ich Fard aufgebaut hätte, da habe ich nur an eine Jay-Z-Line von „Lost Ones“ gedacht: I heard motherfuckers saying they made Hov Made Hov say, „Ok so, make another Hov“. Ich bin der Meinung, kein Manager der Welt kann ein Act ohne Talent bis an die Spitze bringen, aber aus einen talentierten Künstler kann auch ein normaler Manager einen großen machen.

Kannst du mir abschließend noch einen Tour- Tag von dir beschreiben?
Man muss eben alles unter einen Hut kriegen. Jetzt das Interview mit dir, dann muss die Gästeliste noch fertig gestellt werden, dazu steht man eventuell noch im Stau. Ich bleib aber immer ruhig und locker, selbst als wir mal 40.000 Euro verloren haben. Ich glaube, das ist die afrikanische Mentalität (lacht).

Schaust du dir die Gigs, die du veranstaltest, noch in Ruhe an?
Nein, meine Aufgabe ist ja, dass alles klappt. Wenn dann irgendetwas mit der Gästeliste nicht stimmt oder Getränke fehlen, muss ich da sein. Ich bin der erste, der aufsteht und der letzte, der ins Bett geht. Ehrlich gesagt, will ich diesen 24-Stunden Tag aber nicht mehr, deswegen haben wir ja Carlos (lacht). Und es macht mir auch mehr Spaß, mit Fard über sein neues Album zu reden oder ähnliches. Alles andere hat schon eine gewisse Routine.

Warum hast du eigentlich keine französischen Künstler im Programm?
Habe ich. Ich war einer der ersten, der die Franzosen nach Deutschland geholt hat. Ich habe früher den ganzen Vertrieb von 45 Scientific gemacht, Lunatic, HiFi und Booba waren da unter Vertrag. Ich habe die Tour von Ali oder die erste Konzerte von Busta-Flex oder Séfyu gemacht. Dieses Jahr hat es zeitlich einfach nicht gepasst. Aber Touren mache ich jetzt nicht, weil ich die Nachfrage nicht so große einschätze. Und am Ende des Tages muss man auch – bei aller Liebe – die Kosten decken. Wobei: bei den Souls Mischief oder bei Illa J wusste ich von vorher, dass finanziell nichts großes zu erwarten war. Aber das haben wir gemacht, weil wir fanden: das muss am Leben gehalten werden.

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Seit 1994 Fan der BACKSPIN. Seit der Jahrtausendwende im Business und seit 2010 „Head of BACKSPIN“. Mit Leib und Seele. Auch am Mikrofon…

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