Der Winter ist da. Die Feiertage haben wir hinter uns gelassen. Und wo geht es im Jahr 2017 hin? Die Zeichen für gute Musik auf Vinyl gepresst stehen gut. Die Pressewerke sind ausgelastet. Laut einer amerikanischen Studie gibt es mehr Menschen im Alter von 16 – 24 Jahren, die sich für das schwarze Gold begeistern. Analog dazu wurde letztes Jahr eine wissenschaftliche Erhebung veröffentlicht in der es ausgewiesen war, dass Vinylsammler meist männlich und zwischen 45 und 54 Jahre alt sind. Wir sagen dazu: Whatever, man! Entweder du wirst angesteckt von der Vinylmania oder eben nicht. Der Hipster von nebenan meinte dazu kürzlich: „Alter, warum brauche ich denn einen Plattenspieler? Ich kauf mir die Platte als Deko und zieh mir das Teil dann auf meinen Mac als Mp3.“  So hat scheinbar jeder seinen eigenen Umgang mit der Schallplatte. Ob du Sammler, Hipster, Einsteiger, alter Hase oder DJ bist – auch weiterhin wird dich die Beatcorner mit Empfehlungen versorgen. Mazeltov!

Interpret: Diaspora

Titel: Islands

Label: Legere Recordings

Format: Digital / Vinyl / Cd

Alte musikalische Triebtäter wie Good Times-Initatior DJ Norman Jay hatten über Dekaden die Sucht und hingen an der Nadel – immer auf der ewigen Suche nach dem perfekten Beat. Afrika Bambaataa und seine Soul Sonic Force propagierten das in den 1980ern ganz deutlich. Die Botschaft ist immer nach neuen Grooves zu fahnden. Auch innerhalb des Funksounds kann man den nächsten besten Groove suchen. Diaspora aus Hamburg machen das auch regelmäßig und weiterhin. Hier spielen die Brass- und Rhythmsections immer wieder neue Wege zwischen Jazz, Funk und Latin ein. Da darf es auch gerne mächtig nach vorne gehen wie auf „Moon“ und fügt sich in dem Eindruck nachhaltig , dass Hamburg mit The MightyMocambos, Scharzkaffee und diesen Genossen auf dem Weg zur Funkhauptstadt sind. Bis dahin sollte ihr euch „Islands“ auf den Plattenteller legen. All power tothefunkpeoplestraightupnorth.

Interpret: OnomAgemo&The Disco Jumpers

Titel: Liquid Love

Label: Agogo Records

Format: Digital / Vinyl / CD

Auf Agogo Records ist einfach auch weiterhin Verlass! Diesen Monat veröffentlicht das beste der deutschen Indie-Labels eine afrikanische Wundertüte kraftvoller Grooves zwischen Psychodelica, Afrobeat, Funk, abgefahrenem Jazz und Krautrock. Mit Disco hat das herzlich wenig zu tun – als nicht vom Bandnamen irreführen lassen.

Interpret: The Hi-Fly Orchestra

Titel: LOVE EP

Label: Agogo Records

Format: Digital / Vinyl

Nein, ich schlafe nicht mit dem Labelhead von Agogo Records und ich bekomme weder eine Free-Vinyl-Flat noch Geld von dem kleinen Label – auch wenn manchen jetzt stöhnen, wenn sie sehen, dass wir in der Beatcorner nun die zweite Veröffentlichung des Labels anpreisen. Die Qualität entscheidet. Nichts anderes. Und wenn es um Qualität geht, dann kann man The Hi-Fly Orchestra über Jahre hinweg weit vorne sehen. Sie Kombo entwickelte immer wieder wundervolle Auswüchse und Formen von Jazz in Kombination mit Latin, Jazz, Soul und Afro. Nun verneigen sie sich vor der LIEBE und haben sich für ihre beseelte-latin-beschwingte EP auch gesanglich hierfür mit Karl Frierson und Rayla Sunshine verstärkt. Sie verneigen sich tief vor Marvin Gaye und Prince, was bei diesen Übernummern nicht einfach war. Ihre Interpretationen von „Like a virgin“ (Madonna) und „LetloveRule“ (Lenny Kravitz) überzeugen auf ihre ganz spezielle Art und Weise. Die Band arrgumentiert das allesdannauchmitdem “Godfather of Soul“ James: „This is man’s world, this is a man’s world But it wouldn’t be nothing, nothing without a woman or a girl.” Wierechtsiedochhaben.


Interpret:  Marcus I & TheTucxone Army

Titel: Inner Calling

Label: Tucxone

Format: Vinyl / CD / Digital

Während diese Zeilen entstehen hat es fast 10 Grad minus Außentemperatur und es schneit. Bei durchschauen der Promos fällt die erste Wahl nicht auf ein Reggae-Album. Umso verwunderlicher ist es zu merken, dass der warme, analoge Grundton von „Inner Calling“ sehr deutlich haften bleibt und nach mehrfacher Rotation hat die Langrille bewiesen, dass man sie besser nicht bis zum Frühjahr oder gar bis zum Sommer liegen lassen sollte. Was Marcus I und seine Komparsen hier im Herzen Spaniens entwickelt haben ist keine Sensation und keine Innovation – aber wenn man die Platte auflegt kann man sich in vertraute Grooves und Sounds legen, vielleicht ist die Platte sogar so etwas wie ein Freund denn man nur zwei Mal im Jahr trifft und  immer wieder die erhoffte Vertrautheit erlangt. Diese LP ist ein Statement. Hier will jemand die Vorzüge des klassischen Roots-Reggae vorvorheben und dafür werben –  was den Machern komplett gelingt. Hier geht es um Empathie und Liebe in Sound und Botschaft. Was die Musiker und Produzenten aus Spanien und England hier gebastelt haben wird noch lange nachwirken.

The following two tabs change content below.
Phonk Ribery aka Peter Parker aka Peter Piper aka Phonk Sinatra aka Phonky Balboa schreibt seit über 15 Jahren über Musik. Er war u.a. tätig für das Uptown Strut Magazin, The Message, die Badische Zeitung, das Subculture Mag oder die Juice. Er ist Vinylist, Sammler, Schreiber, Plattenleger und seit einigen Jahren für die Kolumne Beatcorner in der Backspin zuständig. Neuigkeiten ballert er über www.1beat.de in die Blogosphäre. Hier und da sieht man ihn zwischen Straßburg, Basel, München, Köln und Freiburg auch an den 1210ern mit geschmackvollen Tunes zwischen Funk, Afro, Latin Grooves, Reggae, HipHop und viel Soul, wenn er nicht gerade Partys mit DJ-Legenden wie Marc Hype, DJ Lifeforce oder DJ Friction organisiert. Was ihn garnicht stört ist, dass man ihn als "Oldschool" beschimpft weil er Bücher, Printmagazine, guten Wein und Vinyl lieber mag, als Mp3s, Flatrate-Saufen und E-Books. Everybody, Mazeltov!

Neueste Artikel von Peter (alle ansehen)