Vinyl schenken ist Liebe. Liebe zu Weihnachten ist ja die zentrale Botschaft. Hier einige Vorschläge für die Liebe. Die Beatcorner Kolumne wünscht Euch allen einen guten Rutsch in das Jahr 2017. Hoffen wir alle auf fette Vinylveröffentlichungen & Entdeckungen und natürlich das allerwichtigste: LOVE, PEACE & UNITY.

 

Interpret: The Shacks

Titel:  The Shacks

Label: Big Crown Records

Format: CD / Digital / Vinyl

 

Jane Barkin hauchte doch so schön ihre Fantasien laziv ins Mikrofon. Das ist wahrlich lange her. Oder doch nicht? The Shacks aus New York sind so etwas wie Inkarnation dieser Jane Barkin. Das Duo macht verspielte Indie-Mucke die seltsam vertraut klingt und doch so neu. In der EP liegt all die Magie für die Max Shrager und Shannon Wise mit Vorschußlorbeeren überhäuft wurden. Experimentelle Sounds, veträumte Melodien und ein ganz große Portion Melancholie schweben in fast jedem Song mit und erinnern oft an Cardigans. So richtig verorten lassen sich die musikalischen Inspirationen der beiden jungen Hipsterkids nicht ganz. Dabei sind sie mit ihrem Konzept von Musik sehr gut und flexibel aufgestellt. Das ist weder diese eine Singer-Songerwriter-Indie-Hipheit, noch der nächste Retro-Soul-Boom – sondern auch easy organischer Rocksteady und leichtfüßiger und zuckersüßer Pop in der reinsten Verführung. Also doch Jane Barkin in jeder Pore. Diese EP ist ein wunderbare Wunderwundertüte, die man so nicht auf dem Schirm hatte.

 

Interpret: BuggeWesseltoft

Titel: Somewhere in Between

Label: Jazzland

Format: CD  / Vinyl

Ist es noch Jazz wenn man Post-Jazz-Konstruktionen entwirft? Über das was, macht sich der Visionär Bugge Wesseltoft keine Gedanken, sondern über das Wie! Der Norweger ist seit über 20 Jahren daran, Jazz zu zerlegen und wieder neu zusammenzufügen. Dabei bringt er elektronische Clubmusik und akustischer Jazz immer wieder an Punkte, wo bisher noch niemand war. Dass er sich dabei mit gleichgesinnten Zukunftsforschern wie dem Berliner Techno-DJ Henrik Schwarz zusammentut, verwundert hierbei nicht. Für sein 20jähriges Jubiläum gibt es eine große Rückschau auf seine Werke, wo er natürlich auch hier alte Stück wieder neu konzipiert hat. Big Band-Sounds und Dubbassweltentreffen hier erneut aufeinander und huldigen die mutigen, experimentellen Kunstwerke sowie die Wichtigkeit  von Wesseltopfts Schaffen, welches sicherlich bald auf einem Sockel mit Keith Jarrett oder Sun Ra stehen wird.

 

Interpret: Hannah Williams &The Affirmations

Titel: Late Nights & Heartbreak

Label: Record Kicks

Format: Digital / CD / Vinyl

Unser italienisches Lieblingslabel Records Kicks hat ein weiteres Mal die kraftvolle Stimme einer jungen Dame in den Mittelpunkt eines klassischen Sixties-Soul-Albums gestellt und dabei einfach alles richtig gemacht. Die englische Sängerin Hannah Willieams hat im Hauptquatier der Kultkombo The Heliocentrics eine Langrille mit all ihren analogen Spielereien und Experimenten eingespielt, die unter der hohen Anzahl der Retro-Soul-Scheiben hervorsticht. Auf 13 Stücken sendet die Dame eine wundervolle positive Grundstimmung in die Welt hinaus – dabei vergessen sie nicht den Groove und haben noch Zeit sich mit Led Zeppelins Original „Dazed&Confused“ anzulegen. Die schmerzliche Lücke, die Sharon Jones hinterlassen hat, wird hier nicht geschlossen werden – aber Miss Williams und ihre Kapelle sollte man unbedingt auf dem heimischen Plattenteller rotieren lassen.

 

Interpret: Dem JuJu Poets

Titel: Babara / Peoples Republic

Label: Matasuna Records

Es ist weiterhin erfreulich zu beobachten mit welcher Euphorie kleine Labels entstehen, die sich auf auf Vinyl-Only-Veröffentlichung fokussieren. Die Flackschiffe wie BGP oder Jazzman als Vorbilder zu haben, mag keine schlechter Weg zu sein – jedoch schreit die Welt gerade jetzt im 45-Fieber nach neue, kreative und innovativen Imprints. Matasuna Records ist definitiv so ein Label und konnte sich in kürzester Zeit in die Herzen der Fans und Kritiker schießen. Das zweite Release ist ein weiteres Highlight. Der Wahl-Schweizer SoulBrigada und der Wahl-Berliner Voodoocuts packen unbekannte Grooves zwischen Funk, Afro, Jazz und Latin aus – damit sie diese dann mit ihren eigenen Edits für die Tanzfläche aufwerten. Hinter Dem JujuPoets steht der umtriebige David Henke, der mit seinem Alter Ego Renegadesof Jazz weltweit seit Jahren für musikalischeOpenminded-Strömungen steht. Bereits auf seinem letzten Album hat er die Marschrichtung Afrofunk angebahnt. So gibt es hier zwei unfassbar vom Bass getriebene und von Flöten geschwängerte Afrostomper, bei denen beide förmlich  nach der Tanzfläche flehen.

 

Interpret: Al Kent pres.

Titel: Men in the Glass Booth

Label: BBE MUSIC

Format: Vinyl / CD

Im Mai 1976 veröffentlichte das Kult-Label Salsoul Records zum ersten Mal eine 12” Single. Diese war erhältlich für jedermann. Bis zu diesem Zeitpunkt war das ein exotisches Format, welches fürPromos für DJs vorbehalten war und somit einen exklusiven Status hatte. “TenPercent” von Double Exposure kam damals revolutionärer Weise sogar auch noch mit einer “extendedversion” vom New Yorker DJ Walter Gibbons daher. Auch dies war eine Neuheit, waren doch Aufnahmestudios bislang ausschließlich Sängern, Instrumentalisten und Produzenten vorbehalten. Einige Deejays hatten also ihre eigenen Versionen von Songs entworfen und bisher nur für sich und ihre Publikum in Clubs wie Paradise Garage, the Loft, the Gallery oder Studio54 gespielt. DJ Larry Levan, Nicky Siano, David Mancuso – das waren die wahren Helden der Disco-Ära. Die schufen die Grundlage für jegliche Dance-Music, die danach kam – allen voran der House-Music. Es gab schon viele Compilations die versucht haben die Magie dieser Zeit einzufangen – einige davon konnten besonders durch exklusives Material auftrumpfen. Die groß angelegte Compilation “Men in the Glass Booth” erzählt die ganze Geschichte: Al Kent hat hierfür nicht nur bahnbrechende Re-Edits und Remixes von den einflussreichsten DJs der Disco Ära auf zwei 5LP Boxen bzw einem 3CD Set versammelt.Der Disco-Experte aus Glasgow dokumentiert diese Reise auch sehr detailverliebt auf einem 40-seitiges Buch mit bisher nie veröffentlichtem Bildmaterial. Ein weiterer Geniestreich von Al Kent und BBE nach wundervollen Serien wie “Disco Love” oder dem Dauerbrenner “The Best of Disco Demands”.Walter Gibbons, Bobby DJ Guttadaro, Tom Savarese, Jellybean Benitez, Tee Scott und John Luongo zauberten große Disco-Hymnen – wie man hier ausführlich dokumentiert bekommt. Ein Knaller zum neuen Jahr! Nicht mehr und nicht weniger. Die zwei 5x12inch-Boxen werden limitiert sein – also schnell sein, Freunde!

 

 

 

 

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Moin! Aachener, der im Norden irgendwas mit Medien studiert, ungern über sich in der Dritten Person schreibt und Deutschrap gefressen hat. Kopf ist kaputt, aber Artikel is nice, wa.