Mittwoch, der 12. Juli – Für einige tausende Hip-Hop Fans vermag dieser Tag einer Zeitreise in die Schulzeit, zu den Bundesjugendspielen, zu gleichen. Es handelt sich um eine Pflichtveranstaltung, Ausdauer ist gefragt, der Wetterbericht wird geprüft und trotz regelmäßiger Teilnahme weiß niemand, was so wirklich auf einen zukommt. Während sich der herkömmliche Festivalgast allmählich aus dem gesitteten Alltag verabschiedet, indem er sich mit Pfeffi und Sonnencreme ausstattet, die Booklets rausholt, um Lyrics und Choreo für den selbstbewussten Support der Artists einzustudieren, haben rund 150 Festival-Freunde jene Vorbereitungen an diesem Tag bereits hinter sich. Um 15 Uhr versammeln sie sich an der Spitze des VIP-Campinggeländes, das bis dato noch für die Besucher hergerichtet wird, denn dort startet die Einweisung in das Volunteer-Projekt des Splash!-Festivals, welches in diesem Jahr in die fünfte und zugleich größte Runde geht. Zwei der freiwilligen Helferinnen sind wir, Anna und Anna.

Credits: Peter deWeerdt

Die Volunteers kommen aus allen Ecken des Landes, um hier zu arbeiten und Teil des Festivals zu sein – Auch eine Anreise aus der Schweiz kann sich das Team auf die Kappe schreiben. Viele unterschiedliche Menschen treffen in den fünf bis sechs Tagen aufeinander. Manche kommen alleine, andere in großen Gruppen.

„Die Klassenfahrt kann los gehen. Ich hoffe es gibt Namensschilder.“ (Anna S.)

Der Kampf um die besten Schichten

Den spannendsten Teil bildet definitiv die Schichtverteilung. Alle Namen werden zusammengeworfen und nach und nach ausgelost – wer dran ist, darf sich seine Schichten aussuchen. Nach gefühlten zwei Stunden heißt es endlich „Anna S!“. Trotz langer Wartezeit haben wir Glück gehabt. Eine Spätschicht am Donnerstag und eine Mittagsschicht am Freitag. Dass man sich vorher besser hätte informieren sollen, wer auf der Pre-Party spielt, ist eine andere Geschichte.

„Fuck, wir verpassen Luciano, Kalim und KMN!“ (Anna)


Credits: Amilia A. Theofilopoulos

„Für dich auch noch eine Mülltüte für den Müllpfand?“

Während die Besitzer eines Pre-Partytickets sich langsam auf den Abend einstimmen, geht es für uns und eine Gruppe weiterer Volunteers straight Richtung Campinggelände. Bändchentausch ist angesagt. Wobei in unserem Fall eher Mülltüten verteilen. Kommenare à la „Soll ich Müll sammeln oder was?“ oder „Wofür brauch ich den?“ gehören noch zu den freundlicheren. Trotzdem wurde die Stimmung des Teams nicht getrübt. Es wurde gemeinschaftlich angepackt, sodass die Schicht wie im Flug verging und der Zusammenhalt für die nächsten Tage gestärkt wurde. Nach sechs Stunden und einer Millionen verteilten Mülltüten, von denen jenseits der Intention des Ganzen die Hälfte direkt wieder auf den Boden geschmissen wurde, heißt es auch für uns: Abfahrt zur Pre-Party. Wir entern das Festivalgelände, als die KMN-Gang, gerade ihre Zugabe spielt. Aber immerhin: Die erste Schicht haben wir erfolgreich überstanden.

„Haaalt, hast du überhaupt ein Bändchen für die Dusche?“

Der nächste Tag bricht an, unsere zweite Schicht als Springer winkt uns entgegen. Im Gegensatz zur ersten Schicht wissen wir nicht was in den nächsten Stunden auf uns zukommt. Zwei Optionen: Sechs Stunden auf Abruf im Camp chillen, oder der direkte Gang zu den „organisatorischen Brennpunkten“. Wir warten auf die Anweisungen unserer Betreuer. 

„Werden bestimmt ruhige sechs Stunden. Ist ja nur Anreisetag.“ (Anna S.)

Es scheint, als würde eher die zweite Option in Kraft treten: „Ihr seid die Annas? Ihr seid doch heute Springer oder?“ Unser erster Auftrag besteht darin ins nahe gelegene Gräfenhainichen zu fahren um Tiefkühlbeutel zu kaufen, die zur Aufbewahrung der Festivalbändchen benötigt werden. Mit dem Gefühl unglaublich viel geleistet zu haben und 20 Packungen besagter Beutel treffen wir schließlich wieder im Camp ein. Nach einer kurzen Pause geht es weiter: Wir werden an die Sani-Station geordert. Von jetzt an heißt es Bändchen kontrollieren. Rot muss draußen bleiben, Blau und Grün dürfen rein. Im Halbstundentakt werden die Seiten gewechselt, so dass jeder mal seinen Sonnenbrand abkühlen kann. Während der Schicht vernichten wir zusammen fünf Liter Wasser und fühlen uns immer noch ausgetrocknet. Um 16 Uhr sind wir auch schon mit unserer letzten Schicht durch. Zu Bausa schaffen wir es trotzdem nicht mehr. 

Credits: Amilia A. Theofilopoulos

How to become a Volunteer

Volunteer auf dem Splash! zu sein bedeutet zwei sechsstündige Schichten zu schieben, die dem Wohl der Organisation und vor allem dem der Besucher dienen sollen. Vom Bändchentausch, über das Verteilen von Wasser im Bühnengraben sind die Aufgaben sehr breit gestreut. Dafür erhält man freien Eintritt, sowie einen Platz auf dem VIP-Camp. Um am Projekt teilzunehmen, muss eine kurze Bewerbung über ein Online-Portal erfolgen, dass im Frühsommer freigeschaltet wird. Neben Angaben zur eigenen Person und Motivationsgründen zur Teilnahme, können auch Namen von Freunden angegeben werden, sodass gemeinsame Bewerbungen berücksichtigt werden können. 

Die Volunteer-Gang

Zusammengehalten wurden die Volus von drei Betreuern und mehreren Teamern. An dieser Stelle s/o Therese, Tim und Casper. Erkennbar war das Freiwilligen-Team an der hauseigenen Splash!-Uniform, bestehend aus einem stilvollen schwarzen Jubiläumsshirt, einem Lanyard um den Hals geschnallt und zumeinst in größerer Gruppe auf dem Gelände auftretend. Vor allem letzteres ist wohl das, was das Projekt so erfolgreich macht. Ganz egal auf wen man im Camp oder bei der Schicht trifft, mit jedem kann man ganz entspannt schnacken. Die Atmosphäre im Camp war mehr als harmonisch, vor allem wenn man sich die kriegsähnlichen Szenen aus dem Krisengebiet des normalen Campingplatzes vor Augen führt. Trotzdem haben die Teamer, zwischen der Maloche, dem Chillen und schwimmen an geheimen Badestellen, solide Freizeitaktivitäten zusammengeschustert. Fußball, Flunkyball, Bierpong, gemeinsames Frühstück o.ä. – Wer mitmachen wollte konnte sich herzlich der Crowd anschließen und wer nicht, der nicht.

„Wenn ich wieder aufs splash! fahre, dann auf jeden Fall als Volunteer!“

Für uns hat sich das Volunteer-Projekt mehr als gelohnt. Und auch wenn es jetzt vielleicht so klingt, als wäre das Arbeiten ziemlich ätzend gewesen – in Wahrheit hat es auch sehr viel Spaß gemacht. Wir haben selten so gelacht, wie beim Bändchentausch und haben uns selten so autoritär und wichtig gefühlt, wie an der Sani-Station. Alle Splash! Mitarbeiter auf die wir getroffen sind, waren super herzlich und man hatte von Anfang an den Eindruck ein fester Bestandteil des gesamten Teams zu sein. Beide Daumen gehen nach oben, hoffentlich sind wir im nächsten Jahr wieder dabei!

 

Du willst beim Splash! als Volunteer dabei sein? Hier ein paar Tipps und Tricks, aber auch der ein oder andere Surviver-Ratschlag.

Regel Nr. 1: Reise zum früheren Termin an. So hast du die Chance, die besten Schichten abzuchecken. Wenn du ganz viel Glück hast, bist du bereits Donnerstag durch.

Regel Nr. 2: Lies dir vorher das Line-Up genau durch und überleg dir, wo du auf jeden Fall dabei sein willst. So kannst du Enttäuschungen bezüglich deiner Schichten vermeiden.

Regel Nr. 3: Wenn du noch einkaufen gehen willst, erledige das am Besten am Anreisetag, wenn die Festivalbesucher noch nicht da sind. 

Regel Nr. 4: Egal wo deine Schicht ist, pack deine Cap ein. Mit hoher Wahrscheinlichkeit verbringst du 6 Stunden in der prallen Hitze. 

Regel Nr. 5: Stell deine Drinks im Volunteer-Büro kalt. (Vorher natürlich nett nachfragen, ob das in Ordnung ist) Wichtig: Schreib deinen Namen auf alle Getränke, sonst werden deine Vorräte zum Allgemeingut. 

Regel Nr. 6: Geh auf jeden Fall zum See. Dank VIP Campingplatz gelangst du in nur 10 Minuten Fußweg an eine Schwimmstelle, an der du (halbwegs) deine Ruhe hast und vor dem abendlichen Stress noch einmal richtig abschalten kannst. 

Regel Nr. 7: Im Produktionsbereich ist die Sammelstelle für alle verloren gegangen Volus. Nie ohne mein Team!

Regel Nr. 8: Lerne den VIP-Campingplatz schätzen, er wird deine vorübergehende Wohlfühloase sein.

Regel Nr. 9: Du repräsentierst das splash!

Regel Nr. 10: Fünf Tage sind nicht so lange, wie man denkt – In dem Sinne, gib alles!

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Meine Mehr- oder Wenigkeit heißt Anna. Ich bin hier, um straight aus dem Gangstarap-Richterstuhl mein Urteil fällen zu können.