Die Massiven Töne drückten ihre Anwesenheit Ende der 90er gerne mit „Am Platz“ aus. Stuttgart’s Hip Hop Szene ist auch 2017 am Platz. Am Berliner Platz. Im Club Freund & Kupferstecher, dem Treffpunkt für KennerInnen. Hierhin zog es auch Blu & Exile auf ihrer momentanen Europatour.

Am Anfang war die MPC. Dann schuf Exile einen Hieroglyphics „At the Helm“-Flip. Und er sah, dass es gut war. Nach dem Aufwärmprogramm geht es für Exile mit seinem Dag Savage-Partner Johaz in die Vollen bzw. in die Rolle des Voracts. Johaz gibt von Anfang an Gas und weiß das Publikum mitzureißen. Die Atmosphäre ist intim, die Bühne einen Schritt hoch. Zwischendurch zeigt Exile wieder sein Können an der MPC und flippt D Train’s „You’re the one for me“. Selbst auf der Rückseite seines Laptops wird geflippt, und zwar mit Sprache. „Respect Existance or expect Resistance“ prangt dort als Aufkleber und passt auch zu den Lyrics von Johaz. Nachdem Dag Savage gut eingeheizt haben, geht es fließend weiter mit Blu.
Der begrüßt Stuttgart nur mit Germany und verpasst einen Eisbrecher. Wie erforen steht er auch am selben Fleck. Seine Coolness außer Frage: Lakers Cap, Compton-Shirt, 501 und Chucks. Er ist kein Berliner. Der Mann ist eindeutig am Platz. Von einer Salzsäule zu sprechen wäre dem aber nicht gerecht, denn schließlich sprudeln die Worte aus Blu heraus und landen punktgenau wo sie hingehören. Wer sich heute Abend auch im Raum bewegt sind Retrogott und DJ Haitian Star, die im Anschluss an das Konzert auflegen werden.
Blu beginnt sein Set mit Songs von „Below the heavens“, unter anderem „So(ul)amazing“, „Blu collar workers“, „My world is“.
Und nach einer Weile ändert Blu sogar seinen Standpunkt wie jemand, der seine Meinung ändert. Um Exile das Spotlight zu überlassen, geht er auch gerne zur Seite. Exile stiehlt die Show mit seiner MPC Action, agiert auch am Mic und beherrscht sogar beides gleichzeitig. Ein Song zu dritt wird auch performt. Neben Solosongs dürfen Madlib Beats vom „Bad Neighbor“– Album heute natürlich nicht fehlen, unter anderem „Drive in“, „Belly Full“ und „Knock Knock“. Am Ende gibt es einen neuen Song und zu guter Letzt eine Interaktion mit dem Publikum in Form des obligatorischen Fuck Trump und dem Klassiker Power to the People. Paradoxerweise ist man bei letzterem einer Meinung mit dem US-Präsidenten.

Kurz nach halb Elf geht das Licht an im Club (no Money Boy), der für den nachfolgenden Part des Abends geräumt werden muss, was Exile jedoch nicht davon abhält noch ein paar Jaylib-Hits abzufeiern. Wir befinden uns schließlich im Dilla-Monat. Blu hat indessen seine Lakers-Jacke angezogen und steht für Fotos mit den Fans zur Verfügung.

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