Next to blow – Wer 2018 durchstarten wird

2018 ist da. Die Zeit der Jahresrückblicke, Bestenlisten und Auszeichnungen für 2017 ist vorbei. Zeit, sich auf das neue Jahr zu konzentrieren. Die wichtigste Frage, die sich hierbei stellt ist doch: Wer wird 2018 das ’nächste große Ding‘? Um das zu beantworten, haben wir für unsere BACKSPIN Class zwölf Namen zusammengetragen, die euch in diesem Jahr häufiger begegnen sollten und werden. Wir unterscheiden hierbei in zwei Kategorien: Zum Einen haben wir sechs Leute, die bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad genießen, denen wir in diesem Jahr jedoch den großen Durchbruch voraussagen. Zum Anderen möchten wir euch weitere Künstler ans Herz legen, die noch relativ unbeachtet unter dem Radar schweben und definitiv zu interessant sind, um dort zu bleiben.

Den Anfang machen die sechs Künstler, die vielen bereits ein Begriff sein könnten. Künstler, die 2018 den nächsten Schritt machen werden wie z.B. einen großen Deal abschließen, das erste richtige Solodebüt veröffentlichen oder sogar einen neuen Trend setzen könnten.

OG Keemo

Dank Cro liegt die Messlatte für Spektakel und Medienrummel bei einem neuen Chimperator-Signing unmenschlich hoch. Damit ist OG Keemo vielleicht nicht das spektakulärste-aber wohl das überraschendste Signing des Stuttgarter Independent-Labels. Anders als seine Kollegen überzeugt der Mannheimer mit roughem Straßenrap, der zum Kopfnicken animiert. Für das Kopfnicken sorgt sein Stammproduzent Funkvater Frank, der OG mit einem Mix aus Jazz-und Funksamples sowie zeitgenössischen Drums einen eigenen Sound verleiht. 

Besonders viele Informationen zu seiner Person gibt es bislang nicht. Nur eine ausgewählte Ansammlung an Tracks – allesamt von hoher Qualität. Mit der Neptun“-EP, die vergangenen Oktober releast wurde, setzte er den Startschuss für seine Zeit bei Chimperator. Dass das Label aus vielversprechenden Künstlern auch erfolgreiche Künstler machen kann, hat es in der Vergangenheit schon oft bewiesen. Es wird spannend, wo der Weg für den jungen Mannheimer hingehen wird. OG Keemo selbst zeigt sich optimistisch: „Kodimey weiß, er hat mit Franky und mir die zwei richtigen Sprossen gesigned“.

Was du über OG Keemo wissen solltest

Eunique

Ziemlich vorhersehbar, dass Eunique in dieser Liste auftaucht, haben ihr einige bereits fürs vergangene Jahr den großen Durchbruch vorausgesagt. Doch auch wenn das große Album nicht kam, kamen einige Vorboten und endgültige Beweise, dass 2018 die Bombe platzen-und Eunique zu einem Deutschrapstar heranreifen wird. Bereits 2015 teilte Fler ein Freestylevideo von ihr auf seiner Facebookseite, ein Jahr später ging ihre Coverversion von Nimos Nie wieder“ viral. Heute ist sie bei Chapter One unter Vertrag und wird am 23. März ihr Debütalbum „Gift“ veröffentlichen. Dabei wird Chapter One seinem Ruf als Majorlabel mehr als gerecht. Auch wenn Eunique mit ihrem Aussehen, ihren Rapskills und der großen Portion Charisma eine mehr als solide Basis mitbringt, leistet Universal hier beeindruckende Arbeit. Mit Eunique wird ein Popstar ‚gebaut‘ und konzipiert. Jedes Detail sitzt. Alles, was sie veröffentlicht und nach Außen hin präsentiert, ist perfekt aufeinander abgestimmt. Ihr Auftritt in den Sozialen Medien ergänzt sich mit dem, was sie in ihren Videos und Texten darstellt. Die Krönung: Ab dem 14. Januar wird jeden Sonntag eine neue Folge „Becoming Eunique“, eine Art Doku-Reihe erscheinen, die diese Zusammenhänge wahrscheinlich bis ins letzte Detail erläutern wird.

Doch das wäre alles nichts wert, würde die Musik nicht stimmen. Ihr gemeinsames Video mit Mert zählt fast vier Millionen Klicks, auf Spotify hat sie über 300.000 monatliche Hörer. Veysel, einer der gehyptesten Straßenrapper des vergangenen Jahres, holte sie auf seine Platte und bezeichnete sie öffentlich als „die beste Rapperin in Deutschland“. Auch wenn das Alles klingt, als wäre es von nun an ein Selbstläufer, bleibt abzuwarten, ob am 23. März wirklich ein neuer Superstar geboren wird. Denn „der Jubel kommst erst, wenn es klappt“.

Samra

Seit er mit Alpa Guns ‚Caney Armee‘ das Licht der Rap-Welt erblickte, sorgte Samra auch ohne eigenständiges Release bereits für ordentlich Schlagzeilen. Da wäre der Disstrack gegen die 187 Strassenbande, den er hinterher  als „Eigentor“ bezeichnete. Sein Seitenhieb gegen Shindy, der wenige Monate später sein Labelkollege werden sollte. Ein missglückter Prank, bei dem er einem YouTuber ins Gesicht schlug und natürlich das ganze Theater um seine Vertragsunterzeichnung bei Ersguterjunge. Auf die Frage eines Fans, bei welchem deutschen Label Samra gerne signen wolle, antwortete der Berliner mit „Banger Musik“. Nur wenige Wochen später, behauptete er, Farid Bang habe ihn instrumentalisieren wollen, um dafür zu sorgen, dass ein Berliner gegen Bushido schieße. Bushido wäre jedoch der Grund, weshalb er angefangen hätte, zu rappen und der vermeintliche Deal war geplatzt. Wieder wenige Wochen später, gab Bushido bekannt, Samra unter Vertrag genommen zu haben. Ganz schön viel Wirbel um ganz schön wenig Musik.

Doch jetzt kommt das große Aber: Wenn sich Samra bisher von Social Media entfernt und ins Studio bewegt hat, kam stets gute Musik dabei heraus. Mit viel Druck und Wut in der Stimme und einer Attitüde, die einen den Hunger spüren lässt, den der Berliner zu haben scheint, zählt Samra zu den vielversprechendsten Straßenrappern seiner Generation. Viele EGJ-Fans erinnert er an einen jungen Bushido, was ersguterjunge zur perfekten Labelheimat für ihn macht. Wenn Bushido es jetzt noch schafft, ihn in ‚specteresker‘ Manier nach Außen, so gut in Szene zu setzen, wie es ein Specter vor 15 Jahren bei ihm tat, stehen einer großen Zukunft höchstens unnötige Dissangriffe im Wege.

 

Remoe

Es ist schwer, Remoe zu kategorisieren. Musikalisch bewegt er sich zwischen dem, was gerne als R’n’B bezeichnet wird und zeitgenössischem deutschen Rap. Zu seinen großen Vorbildern zählt er Treyz Songz und Drake, was seine Musik wahrscheinlich besser beschreibt, als die zuvor genannten Genres. Remoe singt für Hip-Hop-Ohren ganze Parts durch, während ‚richtige‘ Sänger ihm vielleicht nicht einmal zugestehen würden, dass er singt – genau wie bei Drake. In der deutschen Hip-Hop-Szene ist er schon länger gut vernetzt. Nach Kool Savas sind wir 2018 auch zwei Jahre zu spät, hat er Remoe bereits 2015 in seine Top Ten des Jahres mit aufgenommen. Im Folgejahr nahm er ihn gleich zwei Mal auf sein Mixtape Essahdamus“ und betonte mehrmals auf seiner Facebookseite, dass Remoe mehr Aufmerksamkeit verdient habe. Die bekam er z.B. von Fler. Der nahm ihn in sein Studioteam auf, wo er beim Schreiben hilft und zum Produzentenkollektiv gehört. Denn neben seiner Tätigkeit als Sänger/Rapper – nenn‘ es wie du willst – produziert Remoe unter Anderem für Payy oder eben Fler. Durch die Zusammenarbeit mit Fler sollte Remoe nach 2017 einem Großteil der Deutschrap-Interessierten ein Begriff sein. Mit seiner Hook auf „Gang für immer“ ist er Teil eines großen Hits des vergangenen Jahres, während sein eigenes AlbumAlles für die Fam“ ein wenig unter dem Radar blieb. 

Der aktuelle Zeitgeist spielt dem – scheinbar gar nicht so neuen – Newcomer in die Karten. Die Tatsache, dass Moe Phoenix nach einer gefühlten Ewigkeit sein erstes Album bringt und millionenfach geklickt wird; dass ein Manuellsen, der schon lange versucht hat, diese Art von Musik in Deutschland voran zu bringen, gemeinsam mit Micel O. ein großes Kollaboprojekt angekündigt hat und nicht zuletzt die Tatsache, dass deutscher Rap allgemein immer melodischer und musikalischer zu werden scheint, sind Indizien dafür, dass Remoe aktuell genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Auch der wachsende Erfolg des Berliners Niqo Nuevo ist ein weiterer Beweis. Es besteht also durchaus Grund zur Annahme, dass nach dem Afrotrap-Hype, Künstler wie Remoe den Sound bringen werden, den alle machen wollen.

Chima Ede

Chima Ede

Chima Ede ist schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr. Bereits 2015 veröffentlichte er gemeinsam mit der Juice die Lebenslust“-EP, die ihm viel Aufmerksamkeit einbrachte. Im gleichen Jahr war er Teil des von BACKSPIN auf die Beine gestellten 7 Todsünden“-Samplers, auf dem er unter anderem mit MoTrip zusammenarbeiten konnte.  Doch der wohl größte Förderer seiner noch jungen Karriere ist wohl ohne Zweifel Megaloh.  Er nahm Chima mit auf die „Regenmacher“-Tour, featurte ihn regelmäßig und bürgte in zahlreichen Interviews, dass Chima Ede ‚der Nächste‘ sei. Als Teil der Immer Ready-Crew assoziiert man den Berliner natürlich auch mit Marvin Game, Morten, Mauli, Holy Modee oder Mister Mex. Zudem war er im letzten Jahr mit Ahzumjot auf „Lowkey“-Tour und ist mit „Angst vor mir“ auch auf dessen Playlist-Album „Raum“ verteten.

Soundtechnisch ist es unmöglich, Chima Ede zu kategorisieren. Während die „2023“-EP futuristischen Sound mit melodiösem Rapstil und modernen Beats liefert, zeigt er sich aufPrincipium“ mit Ghanaian Stallion mit klassicherem Sound. Obwohl das alles nach viel Output und Connections klingt, warten wir bisher immer noch auf das große Debütalbum. Dieses Jahr soll es wohl endlich soweit sein. Am 08. Januar veröffentlichte Chima die Sand“-EP als kleinen Vorgeschmack. Die Erwartungen sind groß, die Perspektiven aber auch. 

Haiyti

Keine große Überraschung, veröffentlicht sie bereits seit 2016 EPs und Mixtapes, die ihr große mediale Aufmerksamkeit und Vorschusslorbeeren einbringen. Der Grund, wieso sie trotzdem (noch) in diese Liste gehört, ist ihr Major-Debütalbum „Montenegro Zero“, das am 12. Januar über Vertigo, der gleichen Abteilung von Universal, die sich auch um Größen wie Rammstein und K.I.Z. kümmert, erschien. Die Zeichen, dass hier das Fundament für eine glorreiche Zukunft gelegt wird, stehen also gut. Bleibt abzuwarten, ob Haiyti mit ihrem Debütalbum langfristig wirklich zum nächsten Megastar avancieren wird und der Mammutaufgabe, ihren Vorschusslorbeeren, die von allen Seiten auf sie einprasseln, und ihrem Status als ‚Kritikerliebling‘ gerecht werden kann.

Montenegro Zero“ als Album des Monats im BACKSPIN Podcast #12

Haiyti im Portrait 

Weiter geht es auf der nächsten Seite mit sechs Geheimtipps, die ihr auf dem Schirm haben solltet: Einer starken Frau, zwei Brüdern und drei Hamburger Rappern, die von deinen Lieblinsgrappern gepusht werden. 

The following two tabs change content below.
sollte weniger für Rap tun und mehr für die Miete. Kann aber einfach nicht anders.

Seiten: 1 2

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.