Back In The Days: Illegal (#103)

SEIT GERAUMER ZEIT SCHEINT ES EINE ERFOLGSFORMEL IM RAP ZU SEIN, SEINEN NAMEN WAHLWEISE MIT EINEM „LIL’“ ODER EINEM „YOUNG“ ZU BEGINNEN.

Anfang der Neunziger assoziierte man mit Trägern solcher Rap-Präfixe noch eher klein gewachsene oder junge Vertreter des Genres. Ab einem gewissen Alter scheinen die meisten von ihnen derlei Vorsilben als Last zu empfinden, was man daran bemerkt, dass sie sie abstreifen oder sich selbst kuriose Namensänderungen verordnen. Lil’ Chris wird zu Young Chris, oder Rapper, die bei ihren Debüts wirklich jung waren, verlängern erst im Alter ihren Namen. So geschehen bei Young Dro und Lil’ Boosie, ehemals schlicht Dro und Boosie. Sich auf diesem Wege zu verjüngen, ist freilich nicht illegal – Illegal hingegen waren die beiden Kids, die anfangs durchaus berechtigt ein „Lil“ trugen und um die es hier gehen soll: Lil’ Jamal und Lil’ Malik alias Lil’ Hershey Loc.

Jamal Phillips aus Philadelphia und La Morris Edwards, der ein Cousin von Snoop Dogg ist und ursprünglich aus Holly Hill in South Carolina stammt, treffen sich 1992 auf einer Rap Convention in Atlanta, wo der renommierte Songwriter und Produzent Dallas Austin auf die beiden Rap-Talente aufmerksam wird. Die beiden befinden sich noch im jüngsten Teenageralter. Austin hatte im Jahr zuvor für die Produktion des Platin-Albums „Coolin’ At The Playground Ya Know!“ der Kiddie- Rap-New-Jack-Sensation aus Atlanta, Another Bad Creation, gesorgt. Derweil feiert ein anderer Produzent aus A-Town, Jermaine Dupri, mit Kris Kross einen sogar noch größeren Erfolg. Rappende Kinder scheinen den Nerv der Zeit zu treffen.

Dallas Austin nimmt Malik und Jamal auf seinem gemeinsam mit L.A. Reid frisch gegründeten Label Rowdy Records unter Vertrag und beaufsichtigt in der Folgezeit die Aufnahmen des Debütalbums von Illegal. Dabei richtet der Produzent, der zuvor eher durch seine Arbeit für R&BGruppen wie Boyz II Men und TLC aufgefallen war, den Sound seiner neuen Schützlinge am damals vorherrschenden Hardcore-Sound der Ostküste aus. Orientiert an Klang und Aussehen von Gruppen wie Onyx oder Naughty By Nature, schafft er so bewusst einen Gegenpol zum Pop- Appeal von ABC und Kris Kross. Diese werden dann auch auf der 1993 erscheinenden Debütsingle „Head Or Gut“ attackiert.

Im Video sind die 13-Jährigen mit Baseballschlägern bewaffnet auf einem Friedhof zu sehen, während es zudem verbale Anfeindungen gegen weitere Gleichaltrige wie Chi-Ali und die vom Sound sehr nahen Da Youngsta’s gibt, was auf der B-Seite „We Getz Busy“ weitergeführt wird. Hier ist auch Erick Sermon zu hören, der zudem für die starken Beats der Single sorgt.

BACKSPIN#103 back in the days 3Kurz darauf erscheint das Album „The Untold Truth“, auf dem Malik und Jamal mit durchaus beachtlichen Rap-Skills bestechen, wobei einzig die Stimmen ihr junges Alter verraten. Wenngleich aufgrund der textlichen Härte der beiden Kinder Skepsis angebracht ist, sind die durchweg überzeugenden Produktionen letztlich der Grund dafür, dass Fans des klassischen Neunziger-Rap nicht an der LP vorbeikommen. Diamond D. produziert zwei Songs, und auch auf „CrumbSnatcher“
ist er zu hören. Seine D.I.T.C.-Kollegen A.G. und Lord Finesse sind bei „On Da M.I.C.“ dabei, Letzterer zeichnet auch für den Beat verantwortlich. Dazu gibt es Beiträge von Biz Markie und Cool V sowie Spearhead X von den Labelmates Yall So Stupid. Die zweite Single „Back In The Day“ produziert Colin Wolfe, der zuvor als Sessionplayer für Dr. Dre nicht unerheblich an dessen Album „The Chronic“ beteiligt war.

In der Folgezeit begeben sich die beiden dann auf Solopfade. Malik ist bereits 1993 neben seinem Cousin auf „Pump, Pump“, dem letzten Song von „Doggystyle“, zu hören und mischt danach bei weiteren G-Funk-Klassikern mit. So ist er Gast auf den ersten beiden Alben von Warren G. und dem Song „Cyco-Lic-No“ vom ersten Dogg-Pound- Album. Jamal alias Mally G wird in der Zwischenzeit inoffizielles viertes Mitglied des Def Squad um Erick Sermon, Redman und Keith Murray. Diese prägen sein 1995 erscheinendes Solodebüt „Last Chance, No Breaks“. Das solide Album weist zudem Beats von Easy Mo Bee, Rockwilder und Rap-A-Lot-Hausproduzent Mike Dean sowie ein George-Clinton-Feature auf. Den größten Eindruck hinterlässt jedoch die Auskopplung „Fades Em All“, für die Pete Rock einen seiner besten Remixes abliefert. Im selben Jahr wird Mally G an der Seite von Biggie auf dem Track „Realms Of Junior M.A.F.I.A.“ gefeaturet, und auch Illegal treten neben dem elfjährigen Baby D und Too $hort auf dessen Song „Thangs Change“ noch einmal gemeinsam in Erscheinung. Mr. Malik veröffentlicht darüber hinaus die Single „Malik Goes On“, die wie Jamal’s Album noch auf Rowdy erscheint.

Nachdem ihm ein Album verwehrt bleibt, verschlägt es ihn etwas später in die Bay Area zu E- 40’s Label Sick Wid It. Bis auf Features auf den LPs von D-Shot und The Mossie sowie einen Beitrag zur „South West Riders“-Compilation 1997 springt auch hier leider nicht viel Zählbares heraus. Mally G hingegen ist bis zur Jahrtausendwende ein immer  wieder gern gesehener Gast auf einigen großen Alben. Neben den Def-Squad-Platten gibt es Features auf den ersten beiden Busta-Werken „The Coming“ und „When Disaster Strikes“.

In den letzten Jahren wird es dann auch um ihn stetig stiller. 2004 unterstützt er seinen Partner aus Illegal-Zeiten auf dessen CD „Hershey Hefner: The Game Needs Me“, die jedoch kaum Beachtung findet. 2006 unterschreibt Jamal einen Deal bei Yukmouth’s Label Smoke-A-Lot und zählt seitdem zum erweiterten Kreis von dessen Crew The Regime. Zu dieser gehören neben anderen übrigens auch die Rapper Young Bossi, Young Dru, Young Fifth, Yung Skrilla, Lil’ Ke und Lil’ Hyfe.

DISKOGRAFIE
Illegal

  • „Back In The Day“/„Stick ’em Up“, 12-Inch (Rowdy 1993)
  • „Head Or Gut“/„We Getz Buzy“, 12-Inch (Rowdy 1993)
  • „We Getz Buzy“ (Diamond D. Remix), 12-Inch (Rowdy 1993)
  • „The Untold Truth“, LP (Rowdy 1993)

Jamal

  • „Fades Em All“, 12-Inch (Rowdy 1995)
  • „Fades Em All“ (Pete Rock Remix), 12-Inch (Rowdy 1995)
  • „Last Chance, No Breaks“, LP (Rowdy 1995)
  • „Keep It Real“/„Unfuckwittable“, 12-Inch (Rowdy 1996)

Mr. Malik

  • „Malik Goes On“/„Hennessee“, 12-Inch (Rowdy 1995)
  • „Hershey Hefner: The Game Needs Me“, CD (O.N.E. 2004)

FEATURES
Illegal

  • Too Short „Thangs Change“ („Cocktails“, LP, Jive 1995)

Jamal

  • Keith Murray „Straight Loonie“ („The Most Beautifullest Thing In This World“, LP, Jive 1994)
  • Bone Thugs-N-Harmony, Buckshot, The Notorious B.I.G.,
    Redman et al. „The Points“ („Panther“-Soundtrack, Mercury 1995)
  • Junior M.A.F.I.A. „Realms Of Junior M.A.F.I.A.“
    („Conspiracy“, LP, Big Beat 1995)
  • Keith Murray „Yeah“ („Enigma“, LP, Jive 1996)
  • Redman „Da Ill Out“ („Muddy Waters“, LP, Def Jam 1996)
  • Busta Rhymes „Flipmode Meets Def Squad“
    („The Coming“, LP, Elektra 1996)
  • Busta Rhymes „There’s Not A Problem My Squad Can’t Fix“
    („When Disaster Strikes“, LP, Elektra 1997)
  • Def Squad „Countdown“ („El Nino“, LP, Def Jam 1998)
  • Method Man & Redman „Dat’s Dat Shit“
    („Blackout!“, LP, Def Jam 1999) (als Mally G)
  • Redman „Real Niggaz“ („Malpractice“, LP, Def Jam 2001)
    (als Mally G)
  • Prince Paul „Make Room“ („Politics As Usual“, LP, Razor & Tie 2003)
    (als Mally G)

Mr. Malik

  • Snoop Doggy Dogg „Pump Pump“
    („Doggystyle“, LP, Death Row 1993)
  • Warren G. „What’s Next“
    („Regulate… G Funk Era“, LP, Def Jam 1994)
  • Monica „Like This & Like That“ (12-Inch, Rowdy 1995)
  • Tha Dogg Pound „Cyco-Lic-No“ („Dogg Food“, LP, Death Row 1995)
  • Warren G. „We Want Yo Hands Up“
    („The Nutty Professor“, Soundtrack, Def Jam 1996)
  • Warren G. „What We Go Through“/„To All DJ’s“
    (beide „Take A Look Over Your Shoulder“ (Reality), Def Jam 1997)
  • The Mossie „This And That
    (Have Heart Have Money“, LP, Sick Wid It 1997)
  • D-Shot „One More Shot“ („Six Figures“, LP, Shot 1997)
  • Mr. Malik „Big Bank“
    („The South West Riders“ Compilation, Sick Wid It 1997)
  • Snoop Doggy Dogg „Eat A Dick“
    („The Lost Sessions Vol.1“, Death Row/Wideawake 2009)

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