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Im Oktober standen so einige große Releases an, ingesamt konnte sich deutscher Hip-Hop wieder über zahlreiche Erfolge freuen. Eine der Platten in diesem Monat, auf den zahlreiche Fans warteten, war das Debütalbum von AoN-Signing Kalim. Auch wenn sich der Hamburger in den Charts nicht so durchsetzten konnte, wie einige seiner Kollegen, gab es eine Menge Lob von der Kritik, so auch von uns. Mit seiner „Odyssee 579“ lässt Kalim alle übrigen Releases im Oktober in unserem Soundcheck-Ranking hinter sich.

 

Zum ersten Mal hörte man den Namen Kalim vor knapp fünf Jahren, als Xatar den Nachwuchs-Rapper noch aus seiner Haft unter Vertrag nahm. Beim Bonner Label Alles oder Nix untergekommen machte sich der Hamburger an ein erstes Release, gemeinsam mit Partner in Crime David Crates und AoN-Hausproduzent Reaf begonnen die Arbeiten an dem ersten Mixtape „Sechs Kronen“. Hört man sich das Tape an, wird schnell klar, wieso es Kalim zu Xatar und seinem Label führte. Das Tape durchzieht der mittlerweile zum Trademark gewordenen staubige Oldschool Sound, kombiniert wird das ganze allerdings mit harter Straßenattitüde. Es sollte das erste große Album folgen. In den nächsten Monaten ging es dementsprechend ins Studio für den Straßenrapper, dann kam erstmal nichts – stolze zwei Jahre lang. Schließlich war es dann soweit. Mit „Odyssee 579“ stand das erste Album in den Startlöchern, allerdings mit einigen Änderungen. Das Produzententeam wurde zum Produzenten, der Sound des Debütalbums stammt, mit „mg“ als  einziger Ausnahme, allein aus der Feder von David Crates, auf der Platte schildert Kalim seinen Weg vom kleinkriminellen Jugendlichen zum Dope-Dealer in Hamburg Billstedt bis die kriminelle Karriere schließlich vom Musikbusiness abgelöst wurde. Im Zentrum stehen dabei düstere Geschichten straight von der Straße, mal direkt aus dem Leben gegriffen, mal erzählt durch die Augen des mittlerweile eher geläuterten Kalim, der kompletten Platte wohne das eigens betitelte „Echtheitszertifikat“ inne.

„Danke lieber Gott für die Musik, denn sie konnte mich rechtleiten, 5-7-9.“ („PlayList“)

Mit der Veränderung des Produzententeams, zumindest geringfügig, ging auch eine Änderung im Sound einher. War das letzte Mixtape noch vom AoN-Trademark Sound durchzogen, sehr samplelastig und rumpelig, fährt David Crates auf der ersten LP Bretter auf, die sich wohl am ehesten mit Trap charakterisieren lassen. Auf jeden Fall deutlich zeitgemäßer fällt der Sound auf „Odyssee 579“ Asus, als man es bis dato vom Bonner Label gewohnt war. Dem Album selbst tut gerade dieses Änderung gut, so kann Kalim auf den langsamen, sehr düsteren Beats seine bedrückenden Geschichten deutlich lebhafter und aggressiver vortragen. Würde ein Rachegelüste durchzogener Song wie „ZahlTag“ auch auf einem funkigeren Beat funktionieren?

 

Dementsprechend konnte sich der Hamburger in unserem Soundcheck auch über so einige Punkte in der Wertung freuen, insgesamt eine 8,3 von 10 möglichen Zählen erreicht „Odyssee 579“ im Soundcheck 2.0. „Kalim ist hungrig. Das sagt er und man hört es.“ (Raphael) Auch nach insgesamt zwei Jahren Album Albumproduktion zeigt sich der AoN-Rapper noch immer angriffslustig, bissig und vor allem entschlossen. Besonders seine stilistische Alleinstellung im Camp rund um Xatar untermauert die Platte, „im Vergleich zu den übrigen AoN-Signings nimmt Kalim (…) eine düstere, ernstere Haltung ein“. (Anna S.). Aber nicht nur von seinen Label-Kollegen, auch von der Konkurrenz innherlab seines Subgenres kann Kalim sich abgrenzen, „mit seinem Crackdealer-Sound erfindet Kalim das Rad bei weitem nich neu, verpackt das Ganze allerdings so packend, wie kaum jemand in den letzten Jahren.“ (Yannick W.)
Oder um es kurz zu machen: Das „stärkste Straßenrap-Album dieses Jahres“ (Kevin)

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Weitere Infos: 

BACKSPIN Soundcheck: Die Meinung der Redaktion zu Kalims „Odyssee 579“

Kalim veröffentlicht Tracklist zu „Odyssee 579“

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen wohlverdienten Schlaf.