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BACKSPIN HIP HOP MAGAZIN

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K-Os

Foto: EMI Music

K-OS

Der 34-jährige Kanadier, k-os, hat zuletzt im Jahr 2004 von sich hören lassen: „Joyful Rebellion“ war musikalisch so vielfältig, dass viele es nicht als HipHop-Album durchgehen lassen wollten. Der Nachfolger „Atlantis – Hymns for Disco“ zeigt nicht weniger Abwechslung. Doch sei es Funk, Alternative, Soul oder Raggae, die attitude ist immer noch HipHop, wie der Künstler selbst im Interview erklärte.
 

BACKSPIN: Was bedeutet dein Name, K-OS?
K-OS:
Das ist eine Abkürzung für „knowledge of self“. Dieses Entertainment-Geschäft kann einen sehr schnell überwältigen. Da ist es wichtig, dass man sich immer dessen bewusst bleibt, wer man ist. Daran soll mich der Name immer erinnern.

BACKSPIN: Inwiefern unterscheidet sich dein neues Album „Atlantis – Hymns For Disco“ von dem letzten Album?
K-OS:
Es geht viel mehr um meine Person. Auf dem letzten Album hatte ich eher meine Umwelt erforscht und versucht, mir bestimmte Dinge zu erklären. Ich hatte mich auch intensiver mit dem ganzen Hip-Hop-Ding auseinandergesetzt. Auf diesem Album geht es viel mehr um mich und darum, herauszufinden, wer ich eigentlich genau bin. Es ist persönlicher.

BACKSPIN: Ist es befreiend oder hilfreich für dich, über persönliche Erfahrungen zu berichten?
K-OS:
Ja, auf jeden Fall. Wenn du dich intensiver mit deinen eigenen Erfahrungen auseinandersetzt und versuchst, dir selbst zu helfen, machst du dir auch keine Gedanken mehr darüber, was andere über dich denken. Das gibt dir ein viel angenehmeres Gefühl, das ist eine Art Schlüssel zum Glück.

BACKSPIN: In „The Rain“ soll es ja auch um eine sehr persönliche Erfahrung mit einer Frau gehen …
K-OS:
Na ja, da kam eher die Inspiration her. Die erste Strophe handelt tatsächlich von dieser Geschichte, aber im Laufe des Songs beziehe ich das dann allgemein auf das Leben. Es geht darum, dass man mit der Zeit merkt, dass viele Menschen nur in guten Zeiten da sind und einem in schlechteren Zeiten den Rücken zukehren. Besonders in diesem Geschäft erlebt man das häufig. Das soll jetzt aber nicht heißen, dass ich mich permanent in der Rolle des armen Opfers sehe. Es geht nur um einen Menschen, der gerade eine harte Zeit durchstehen muss und keinen Halt in seinen Mitmenschen findet. Ich denke, viele Hörer kennen dieses Gefühl und haben bereits Bekanntschaft mit der Einsamkeit gemacht. Es ist verrückt, dass mich dieser Liebeskummer dazu inspirierte, den mir meine erste Freundin damals bescherte. Das ist nun über zehn Jahre her, und auf einmal fühlte es sich an, als sei es gestern gewesen.

BACKSPIN: Deine Musik ist sehr vielseitig. Überrascht es dich nicht, dass du damit trotzdem viele Hörer für dich gewonnen hast, die deine Musik im Ganzen feiern und nicht nur die Rap-Parts, oder nur die Soul-Balladen?
K-OS:
Ich kann nur das reflektieren, was ich fühle, und ich liebe eben schon seit meiner Kindheit alle verschiedenen Musikrichtungen. Das macht meine Musik den Leuten eigentlich noch zugänglicher, wie ich finde, daher überrascht es mich nicht. Mich überrascht es viel mehr, dass ich immer gedacht habe, ich sei ein Hip-Hop-Künstler, aber eigentlich habe ich die verschiedensten Hörer erreicht. Die attitude ist zwar Hip-Hop, aber die Musik ist viel mehr als das.

BACKSPIN: Würdest du dich also heute nicht als Hip-Hop-Künstler bezeichnen?
K-OS:
Doch, auch. Ich sehe mich auf jeden Fall als ein Teil der kanadischen Hip-Hop-Szene, denn meine Einflüsse kommen größtenteils aus dieser Kultur. Aber ich glaube, dass ich diese Einflüsse auch durchaus dazu nutzen kann und auch nutze, um etwas anderes zu schaffen.

BACKSPIN: Ist es schwer, sich als kanadischer Act in der amerikanischen Szene zu etablieren?
K-OS:
Für jeden Künstler, der nicht in den USA lebt, ist das schwer. Die meisten Amerikaner haben konkrete Vorstellungen davon, was sie hören oder sehen wollen, und lassen sich eher ungern auf Unbekanntes ein.

BACKSPIN: Viele Hörer schätzen dich auch für dein lyrisches Talent. Denkst du, dass all diese Leute wirklich verstehen, was du sagst?
K-OS:
Ich denke, manche verstehen es, und andere sind zufrieden, ohne es zu verstehen. Im Endeffekt geht es ja auch nur darum, dass sie hören, was ich sage. Ich versuche nicht, den Menschen eine bestimmte Meinung aufzutischen. Ich möchte ihnen den Freiraum lassen, sich ihr eigenes Bild zu machen.

BACKSPIN: Wieso trägt dein Album den Titel „Atlantis-Hymns For Disco“?
K-OS:
Mir gefällt das Motiv Wasser sehr. Da ich auch von Sternzeichen Fisch bin, war Wasser schon immer etwas Persönliches für mich. Egal wie hart eine Oberfläche ist, Wasser kann immer durchsickern, durch den kleinsten Schlitz. Es fließt überall hin. Dieser Gedanke ist synonym zu meiner Auffassung von Musik, denn sie schafft es ebenfalls, durch alle Wände hervorzudringen und Leben zu verändern. „Hymns For Disco“ sind Hymnen für das Leben. Die Disco ist ein oberflächlicher, von Menschen erschaffener Ort, so wie das Leben. Diese Lieder sollen Menschen durch ihren Alltag bringen.

BACKSPIN: Du sprichst in deinen Liedern auch häufig von deinem Glauben. Spielt  Religion eine große Rolle in deinem Leben?
K-OS:
Ich wurde von meinem Vater sehr religiös erzogen, folglich nimmt sie selbstverständlich einen großen Teil meines Lebens ein. Ich wurde als Christ erzogen und würde mich deshalb auch als einen solchen bezeichnen. Aber mir geht es viel mehr um Weisheit und Wahrnehmung als um eine Institution.  

BACKSPIN: Was versuchst du den Hörern mit deiner Musik geben?
K-OS:
Eine Reflektion meiner Person. Teilweise werden sie sich vielleicht damit identifizieren können, aber vielleicht hilft sie ihnen auch bei der Entscheidung, wie sie sich weiter entwickeln möchten. Denn ich kann nur ich sein, und das Publikum kann mir dabei zuschauen. Dasselbe habe ich in meiner Jugend bei vielen anderen Künstlern getan, und das tue ich immer noch. Klar hört man deren Einflüsse auf meine Person auch häufig auf meinen Songs.

BACKSPIN: Der Song „Crabbuckit“ erinnerte stark an alte Ray-Charles-Songs, und „The Rain“ vom neuen Album kommt dem Sound von James Brown überraschend  nahe.
K-OS:
Diese Art von Musik gefällt mir wirklich sehr gut, ich höre das seit meiner Kindheit. Ich imitiere sie gerne, es macht Spaß. Michael Jackson und Prince waren meine größten Helden, deren Einflüsse müssten sich auch bemerkbar machen.

BACKSPIN: Was sonst macht deiner Meinung nach deine Musik zu etwas Besonderem?
K-OS:
Gute Frage (denkt nach). Ich bin ehrlich, und die Sachen klingen eher spontan als konsequent durchgeplant. Ich mache mein Ding.

BACKSPIN: Ist dieser Eindruck der Fans richtig? Bist du ehrlich und machst zu 100 Prozent das, was du machen möchtest? Es gibt doch sicherlich Kompromisse mit dem Label?
K-OS:
Natürlich kann man nicht sagen, dass es zu 100 Prozent so ist, aber ich versuche es, so gut ich kann. Ich gebe mein Bestes, um Sachen zu produzieren, die ich fühle. Manchmal ist das Label damit einverstanden, manchmal nicht. Kompromisse sind in jeder Beziehung nötig. Ich bin nicht ständig am Rebellieren, aber wenn ich das Gefühl habe, dass es sein muss, dann tue ich das auch.

BACKSPIN: In deinen Tracks ist Rebellion aber eines deiner Lieblingsthemen.
K-OS:
Das kommt von der Erziehung meiner Eltern. Ich habe gelernt, meine Person, meinen Glauben und meine Liebe immer zu verteidigen und mir nicht von anderen Menschen sagen zu lassen, was richtig oder wahr ist.

BACKSPIN: Du hast für dein letztes Album eine Menge Awards bekommen. Wie wichtig sind diese für dich?
K-OS:
Ich lege nicht viel Wert auf so etwas. Ich bin einfach froh darüber, dass ich die Chance habe, das zu tun, was ich liebe. So ein Award bringt dich künstlerisch ja kein Stück weiter.

BACKSPIN: Was für einen Job hättest du jetzt, wenn du nicht Musik machen würdest?
K-OS:
Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Ohne Musik? Das ist echt schwer. Ich wäre wahrscheinlich Schriftsteller oder so. Ich würde mir einfach eine andere Form suchen, um mich auszudrücken. Ich brauche das.

BACKSPIN: In dem Track „Sunday Morning“ scheint es, als ob du erschöpft von deinem hektischen Alltag wärst. Genießt du deinen Status nicht?
K-OS:
Nicht immer. Es ist zeitweise wirklich sehr stressig. Man muss aufpassen, dass man nicht durchdreht, das Geschäft ist echt verrückt. Ich schätze es zwar sehr, dass ich so weit gekommen bin, aber ich denke auch jeden Tag darüber nach, aufzuhören und mich einfach zurückzuziehen.

www.k-osmusic.com

www.myspace.com/kos

 

K-osK-Os
"Atlantis - Hymns for Disco"
VÖ: 23. Februar 2007
EMI

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